Schade, «unpersönlich», kein «würdiger Start»…

    Heisst es für Neu-Gymi- und -Berufsschüler/innen
    auch bei uns bald «Maske auf»?

    In Luzern und anderen Kantonen herrscht nun Maskentragepflicht in den Gymnasien und Berufsschulen. Vieles deutet darauf hin, dass auch andere Kantone mit dieser Massnahme gegen die Verbreitung des Coronavirus‘ nachziehen. Vielleicht werden auch die Kantone Basel-Stadt und Baselland sowie die Kantone im Einzugsgebiet Solothurn (Dornach) und Aargau (Fricktal, Rheinfelden) die Maskenpflicht in den Schulen in Betracht ziehen. Für die Neu-Gymi-und -Berufsschüler/innen ist die Vorstellung, sich erstmals mit Maske zu begegnen und einen ganzen Schulalltag so zu bestreiten, nicht wirklich prickelnd.

    (Bild: Pexels) Studieren und Lernen mit Gesichtsmaske im Schulbetrieb: Für Jugendliche und Lehrer/innen eine situative Herausforderung auf vielen Ebenen.

    Für viele 15- und 16jährige ist der 10. August ein wichtiger Tag: Es ist der Beginn eines neuen Lebensabschnittes. Viele starten ins «Abenteuer Gymnasium» oder treten in die Berufsschule ein und lernen erstmals den Lehrkörper und viele Klassenkameradinnen und -Kameraden kennen. Die Vorfreude ist riesengross, die Vorbereitungen laufen und eine positive Spannung baut sich während den Sommerferien auf. Das erste Kennenlernen vor den Ferien blieb nämlich aus, denn üblicherweise hätte dies an einem Informationstag geschehen sollen. Dieser traditionelle Infoanlass bei den fortführenden Schulen wurde aber dieses Jahr wegen der besonderen COVID-19-Pandiemiesituation nicht durchgeführt. Eine weitere kleine Enttäuschung, denn bereits die beliebten Sekundarschul-Abschlussfeiern nach der Lockdown-Phase mussten meist in kleinem Rahmen abgehalten werden. Und nun kommt vielleicht auch noch die Maskenpflicht. Der Tenor bei den «Gymi-Beginners» ist einhellig: «Wir verstehen die Massnahmen und können alles nachvollziehen. Schade ist nur, dass der Start in einem so wichtigen neuen Lebensabschnitt so verlaufen muss. Kann man mit Gesichtsmaske die neuen Klassenkameradinnen und -Kameraden und die Lehrerinnen und Lehrer richtig kennenlernen? Und wird es nicht sehr anstrengend, die ganze Zeit mit Maske? Wie ist es beim Sportunterricht? Versteht man uns, wenn wir im Unterricht interagieren?» Das sind alles berechtigte Fragen.

    Unterricht erfordert mehr Konzentration
    Es stellt sich nun die Frage, was die Maskenpflicht im Unterricht für Folgen haben wird und generell in der Interaktion. Wahrnehmungspsychologie-Fachleute sagen: Viele haben das Gefühl, dass die soziale Interaktion durch das Tragen einer Maske beeinträchtigt werde. Das stellt ein grosses Hemmnis dar. Die Lesbarkeit der Emotionen wird schwieriger. Auch für die Lehrkräfte.

    (Bild: Pixabay) Ob die Maskenpflicht in Gymnasien und Berufsschulen auch in den beiden Basel und im Einzugsgebiet (Fricktal/AG und Schwarzbubenland/SO) eingeführt werden soll, ist noch offen.

    Man müsse eben deutlicher und lauter sprechen, was sehr anstrengend sei, so der Tenor in den Schulen. Das gelte für Schüler/innen und Lehrer/innen. Andere Berufsgruppen müssten das ja auch so handhaben. Da viel Mimik wegbleibt und man mehr über die Augen die Wahrnehmung ablesen müsse, werde es sicher anstrengender und mühsamer im Unterricht. Das Gehör, die Tonalität, die Konzentration: Dies seien nun wichtige Aspekte. «Die betroffenen Schüler/innen seien aber schon junge Erwachsene. Da werde der Lärmpegel nicht mehr so hoch wie bei Kindern. Aber Ablenkung sei nicht ausgeschlossen, wenn man Masken trägt und den anderen nicht mehr so gut versteht oder wenn vielleicht alle lauter sprechen werden», sagt beispielsweise Dagmar Rösler, Zentralpräsidentin vom Schweizer Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer, in einem Interview mit SF.tv.

    Basel-Stadt: Anfang August wird neu evaluiert
    Ob diese Maskenpflicht in Gymnasien und Berufsschulen auch in den beiden Basel und im Einzugsgebiet (Fricktal/AG und Schwarzbubenland/SO) eingeführt werden soll, ist noch nicht sicher. Simon Thiriet, Mediensprecher des Erziehungsdepartements, erklärte auf Anfragen der Medien: «Im Moment sieht es eher nicht danach aus. Jedoch könne das situativ nötig sein, wenn man die Abstands-Empfehlungen nicht einhalten kann. Das ist erstmal die oberste Priorität.» Man richte sich nach den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit BAG. In den Mittelschulen sei es in der Regel generell kein Problem gewesen, den Abstand einzuhalten. «Kurz vor dem Schulstart wird die Lage aber nochmals beurteilt – je nach Fallzahlenverlauf in der Region». Die Situation bei jenen Kantonen, die eine Maskenpflicht in den Berufsschulen und Gymnasien bereits beschlossen haben, sei aber eine andere als in Basel-Stadt, gibt Thiriet in seinen Verlautbarungen an die Medien zu bedenken. Im August enden die Schulferien. Dann erst würde sich zeigen, wie es weitergehe. Seit März 2020 müssen die Behörden in jeder Hinsicht flexibel und situativ handeln. Das ist auch jetzt in diesem Thema nicht anders.

    Baselland: Erstmal andere Schutzmassnahmen, aber…
    Etwas mehr mit der Maskenpflicht in Gymis und Berufsschulen wird im Kanton Basel-Landschaft kokettiert. So sagte Fabienne Romanens, Mediensprecherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion auf Telebasel: «Heute können wir noch nicht sagen, wie es nach den Sommerferien weitergeht. Wir haben aber das Ziel, den Unterricht auf allen Stufen möglichst ohne Einschränkungen und in Vollklassen durchzuführen.» Auch der Einsatz von Plexiglasscheiben und anderen Schutzmassnahmen sei noch nicht definitiv. Auch hier sei entscheidend, wie sich die Entwicklung der Fallzahlen im Kanton darstellt, so Romanens. Mehrere mögliche Szenarien seien angedacht, um für jede Situation gewappnet zu sein.

    Das Bundesamt für Gesundheit soll Anfang August diesbezüglich weiter kommunizieren. Es ist abzusehen, dass es viele kantonale Einzelgänge geben wird.

    JoW